Zum Hauptinhalt springen
KIDiaB

Der Übergang zu KI-gestützten Drohnen als Infrastruktur und zum Docked Drones-as-a-Service (DDaaS)-Modell

Baisali Ghosh

Baisali Ghosh

Marketing Manager, FlytBase

Der Übergang zu KI-gestützten Drohnen als Infrastruktur und zum Docked Drones-as-a-Service (DDaaS)-Modell

Drohnen sollten als Infrastruktur und nicht als Werkzeuge betrachtet werden. Dieser Perspektivwechsel verändert die Herangehensweise von Unternehmen an autonome Operationen und führt von gelegentlicher Datenerfassung aus der Luft hin zu permanenten, integrierten Systemen, die rund um die Uhr im Einsatz sind.

Achal Negi, Director of Business Development bei FlytBase, ging in seinem Vortrag auf der Commercial UAV Expo näher auf dieses Konzept ein und erklärte, wie Drone-in-a-Box-Systeme zur Grundlage für das werden, was er als „physische KI“ bezeichnet - autonome Systeme, die die digitale und die physische Welt verbinden.

Vom Servicemodell zur Infrastrukturbereitstellung

Achal eröffnete seinen Vortrag mit dem Vergleich zweier grundlegend unterschiedlicher Ansätze für den Einsatz von Drohnen in Unternehmen. Das traditionelle Modell betrachtet Drohnen als Werkzeuge: Piloten reisen zu den Einsatzorten, fliegen die Missionen manuell, sammeln Daten und kehren zurück, um Berichte zu erstellen. Dieser Ansatz ist zwar nützlich, stößt aber bei der Verwaltung von Einsätzen an Dutzenden oder Hunderten von Standorten an seine Grenzen.

Das neue Modell positioniert Drohnen als Teil der Infrastruktur. Drohnen-in-der-Box-Systeme werden permanent an Unternehmensstandorten installiert und in wetterfesten Dockingstationen untergebracht, die Landung, Aufladung und Datenübertragung autonom übernehmen. Diese Systeme integrieren sich direkt in bestehende Unternehmenssoftware, von Sicherheitsplattformen bis hin zu ERP-Systemen, und ermöglichen so einen autonomen 24/7-Betrieb ohne menschliche Anwesenheit vor Ort.

Diese Umstellung bringt messbare operative Vorteile mit sich: die Möglichkeit zur ständigen Überwachung, reduzierte Betriebskosten durch den Wegfall von Reisen und Personal vor Ort, skalierbare Einsätze, die von zentralen Hubs aus gesteuert werden, und erhöhte Sicherheit durch die Entfernung von Personen aus Gefahrenbereichen.

Praxisnahe Umsetzung in verschiedenen Branchen

Achals Präsentation konzentrierte sich auf detaillierte Fallstudien, die aufzeigten, wie verschiedene Branchen durch permanente Drohneninfrastruktur spezifische Effizienzgewinne erzielen.

Versorgungsunternehmen: Proaktive Überwachung in Norwegen

Statnett, Betreiber eines 11.000 Kilometer langen Stromnetzes und 150 Umspannwerken in anspruchsvollem Gelände, implementierte nach einem Sabotageakt, der einen Ölaustritt von 60.000 Litern verursachte, Drohnen-in-a-Box-Systeme. Die autonomen Systeme führen planmäßige Inspektionen durch und sind in Sicherheitssysteme integriert, um Drohnen automatisch zu entsenden, sobald Bewegungssensoren unbefugte Aktivitäten erfassen - selbst um 2:00 Uhr nachts. Die Infrastruktur ermöglicht eine kontinuierliche Überwachung in Umgebungen, die für reguläre Patrouillen zu gefährlich sind, und speist die Daten direkt in bestehende GIS-Systeme ein, darunter ArcGIS- und Esri-Plattformen.

Bergbau: Automatisierte Sicherheit bei Anglo American

In der Quellaveco-Mine von Anglo American in Peru werden Drohnen-in-a-Box-Systeme für zwei kritische Sicherheitsanwendungen entlang eines 14 Kilometer langen Geländeumfangs eingesetzt. Vor geplanten Sprengungen überwachen Drohnen mithilfe von KI automatisch Gefahrenzonen, um verbliebenes Personal oder Fahrzeuge zu erkennen. Bei Erkennung werden Evakuierungswarnungen über Lautsprecher ausgegeben.

Das System ist zudem in die MineStar-Plattform von Caterpillar integriert, um zurückkehrende Muldenkipper automatisch zu inspizieren und so die Wartungsabläufe zu optimieren. Das Unternehmen plant, im ersten Jahr insgesamt sieben Andockstationen zu installieren. Dadurch entfällt der zeitaufwändige Transport zwischen den Untersuchungsstandorten, und das Personal kann sich auf analytische Tätigkeiten konzentrieren.

Bahn: Betriebliche Effizienz mit CSX

CSX hat Drohnen-in-a-Box-Systeme in sein Yard-Management-System an mehreren Standorten mit einer Streckenlänge von über 20.000 Meilen integriert. Sobald freie Gleise gemeldet werden, startet das System automatisch Drohnen, um hochauflösende Bilder aufzunehmen und mithilfe von RTK-Präzisionskameras und KI-Verarbeitung Defekte von nur 3 mm Größe zu erkennen.

Diese Implementierung stellt den ersten Einsatz in den USA mit einer „Eins-zu-Viele“-Ausnahmeregelung dar, die es einzelnen Bedienern ermöglicht, mehrere autonome Systeme gleichzeitig zu steuern und dabei eine kontinuierliche Inspektion durchzuführen, ohne den Schienenverkehr zu stören.

Landwirtschaft: Schutz von Ananasplantagen auf den Philippinen

Dole Asia setzte autonome Drohnen auf 24.000 Hektar Ananasplantagen ein, um Diebstahl und organisierte Kriminalität zu bekämpfen. Das System ist in die Zoho ERP-Plattform integriert und generiert automatisch Berichte sowie Betriebsdaten in zentralen Unternehmensmanagementsystemen.

Durch die Implementierung konnte die Anzahl der unbefugten Zugriffe um 35 % reduziert werden, während gleichzeitig ein zuverlässiger Betrieb unabhängig von Wetterbedingungen oder abgelegenem Gelände gewährleistet wurde.

Öffentliche Sicherheit: Notfallmaßnahmen in Asheville, USA

Nach den Hurrikanschäden setzte Asheville in North Carolina 13 autonome Dockingstationen ein, die in die Notrufzentrale und das computergestützte Einsatzleitsystem integriert sind. Bei eingehenden Notrufen starten Drohnen automatisch, um vor dem Eintreffen der Rettungskräfte ein Lagebild zu erstellen.

Das System ermöglicht 90 % schnellere Reaktionszeiten bei der Schadensbewertung und der Unterstützung von Notfallentscheidungen und verbessert gleichzeitig die Ressourcenzuweisung durch Echtzeit-Luftbildinformationen.

Die Entwicklung des Servicemodells

Achal hob hervor, wie der Technologiewandel neue Geschäftsmodelle ermöglicht. Unternehmen wie Titan Protection haben sich von traditionellen Sicherheitsdienstleistern zu Anbietern von „Docked Drone as a Service“ entwickelt und verwalten Drohnenflotten für Kunden von entfernten Kommandozentralen aus.

Dieser Serviceansatz bündelt Autonomie, Compliance und Betrieb in schlüsselfertigen Angeboten und ermöglicht es Unternehmen, auf die Drohneninfrastruktur zuzugreifen, ohne interne Kapazitäten aufbauen zu müssen.

Ihr Modell eliminiert anfängliche Investitionskosten und senkt gleichzeitig die Sicherheitskosten um 60 % und reduziert die Anzahl der Vorfälle durch schnelle Einsätze aus der Luft um 40 %. Der Service erweitert die Überwachungsabdeckung auf zuvor unüberwachte Außenbereiche, ohne dass der Kunde in Hardware oder Betriebsexpertise investieren muss.

Implementierungs-Einblicke

Die Präsentation betonte, dass erfolgreiche Implementierungen die Integration von Systemen anstelle von Einzelplatzlösungen erfordern. Das bloße ferngesteuerte Steuern von Drohnen bietet keinen wirklichen Mehrwert - die wahren Vorteile ergeben sich erst, wenn Drohnensysteme eng mit bestehender Unternehmenssoftware und betrieblichen Arbeitsabläufen verknüpft sind.

Achal merkte an, dass Unternehmen keine Drohnenprodukte kaufen, sondern Lösungen implementieren, die standortübergreifend skalierbar sind und sich in bestehende Systeme integrieren lassen. Diese Unterscheidung erklärt, warum manche Implementierungen signifikante betriebliche Verbesserungen erzielen, während andere auf begrenzte Pilotprojekte beschränkt bleiben.

Ich freue mich auf

Da die Drohnentechnologie nun in die von Achal als Infrastrukturphase bezeichnete Phase eintritt, verlagern sich die Nutzungsmuster von experimentellen Pilotprojekten hin zu systematischen Implementierungen in unternehmensweiten Abläufen. Die Fallstudien legen nahe, dass Unternehmen nicht mehr nur die Frage nach dem Einsatz von Drohnen stellen, sondern sich auf die Entwicklung optimaler Platzierungsstrategien für Dockingstationen konzentrieren.

Für eine Branche, die sich seit Jahren mit dem Potenzial autonomer Fahrzeuge auseinandersetzt, bot Achals Präsentation etwas Wertvolleres: den Beweis, dass die Infrastruktur der Zukunft bereits im Entstehen begriffen ist - eine Dockingstation nach der anderen.